> Streifzüge durch den Ring — Fragmente einer Weltanschauung — 3. Der Ringcharakter der Philosophie

initiative vernunft Impuls-Beitrag Nr. 42

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> Streifzüge durch den Ring — Fragmente einer Weltanschauung
3. Der Ringcharakter der Philosophie

Von Andreas Raitzig

D as Thema dieser 13-teiligen Impuls-Beitragsreihe ist eigentlich ein Ring, welcher nur in seiner Gesamtheit, von aussen betrachtet, als Ring erkennbar ist. Lassen Sie mich das am Beispiel des Wasserkreislaufes verdeutlichen. Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine, in sich geschlossene, ringförmige Ordnung. Jede Station des Wasserkreislaufes setzt die davor liegende Station zwingend voraus. Will ich nun diesen Kreislauf jemandem erklären, komme ich nicht umhin, den Ring an einer von mir selbst bestimmten Stelle zu betreten. Beginne ich die Darlegung beim Abregnen des Wassers aus den Wolken, muss ich den zweifelnden Zuhörer erst einmal dazu verdonnern mir zu glauben, dass da Wasser in den Wolken ist. Wie es dahin gekommen ist, spielt im Moment keine Rolle und erklärt sich erst ganz zum Schluss, wenn die Kausal-Kette zu einem Kausal-Ring geschlossen wird. Erst dann erweist sich, ob der beim Zuhörer eingeforderte Glaube zu Wissen wird; ob die willkürlich erscheinende Prämisse: —glaub mir vorerst mal, dass da Wasser in den Wolken ist— einen Wahrheitsgehalt besitzt oder nicht. Ähnlich bei unserem Thema. Wenn ich Sie also auffordere, vorerst zu glauben, dass es in sich verschachtelte Stoffebenen mit eigener Zeit, eigener Energie und eigener Information gibt, wenn ich behaupte, dass neben Energie und Materie auch die Information und die Zeit als —4— selbstständige GRUND-WESENHEITEN existieren und diese —vier— Grund-Wesenheiten IMMER gemeinsam auftreten; dann können Sie lautstark nach der Gedankenpolizei rufen und die Impulsreihe „Streifzüge durch den Ring – Fragmente einer Weltanschauung“ verbrennen. Oder einmal kräftig schlucken und versuchen, sich den Ring zu erschliessen.

In Sicht auf die Nutzung von Kräften in Physik, Chemie oder Biologie ist der Ringcharakter in einem Einzelprozess vernachlässigbar und eine lineare Betrachtungsweise am sinnvollsten. Bei der Berechnung eines physikalischen Vorgangs, z. B. der Beschleunigung, ist es nicht notwendig die Ursache des Impulses zu benennen. Es reicht, ihn vorauszusetzen und seine Vektoren festzulegen. Aus philosophischer Sicht aber, also disziplinübergreifend, kommt der Frage nach dem Impuls eine entscheidende Bedeutung zu. Schauen wir uns die zur Zeit gültigen Philosophien (= Religionen = Ideologien = Weltanschauungen) etwas genauer an, so erkennen wir, dass sie alle linear-kausal aufgebaut sind. Zuerst wird ein Anfangsimpuls gesetzt. Das kann eine Gottheit (egal welchen Namens) sein, oder eine „absolute Idee“, oder ein „Ding an sich“, usw. Diesem Anfangsimpuls werden dann bestimmte Eigenschaften und Vektoren zugeschrieben und daraus das „Werden“ der Welt erklärt. Zugleich wird verboten, den Anfangsimpuls und seine Prämissen in Frage zu stellen, denn dies würde, ganz logisch, das darauf errichtete Gedanken-Gebäude zum Einsturz bringen.

Wo aber der Anfang willkürlich festgelegt wird, kommt man nicht umhin, auch das Ziel, (zumindest die Richtung der Entwicklung) willkürlich festzulegen. Dieses Ziel formuliert in fast allen Philosophien immer das Interesse einer Minderheit, welche, mit mehr oder weniger Gewaltanwendung, zum Interesse der Mehrheit gemacht wurde. Das funktionierte aber nur deshalb, weil der Schöpfer ausserhalb seiner Schöpfung angesiedelt wurde; unergründbar, ewig, unendlich, irgendwo im NICHTS. Wäre der Schöpfer dagegen ein Teil seiner Schöpfung, nun, dann würde er schon für Veränderungen in seinem Gefüge sorgen, wenn's ihm mal dreckig geht. So aber reicht es für die Erfinder linear-kausaler Religionen aus, die Zustände für Gott-gegeben zu erklären und zu mutmassen; ...das hat schon alles seinen Sinn..., wird nur nicht richtig verstanden..., wir müssen duldsam sein.

In einer ringförmig geschlossenen Philosophie aber, müssen Geschöpf, Schöpfer und Schöpfung (als Tat verstanden) gemeinsamer Bestandteil des ALL-EINEN sein. Das Geschöpf bestimmt seinen Weg selbst, indem es Schöpfer wird. Es ist mir klar, dass das nicht jedem in den Kram passt. Aber das Leben beweist es täglich! Jedes Gedicht, jedes leckere Mahl, jede technische Erfindung ist ursächlich die Schöpfung (die Tat) eines Schöpfers. Wenn also das „Geschöpf Mensch“ als Schöpfer seinen Weg eigentlich selbst bestimmen könnte, stellt sich doch die Frage: Wieso der ganze Quatsch, der täglich um uns geschieht? Weshalb diese ungeheuren Verbrechen, welche die Entwicklung der Menschheit begleiten? Verbrechen, welche heute ein Ausmass angenommen haben, die der Verstand sich weigert aufzunehmen, als real existent zu bezeichnen. Sie sind einfach unglaublich. (Lieber Augen zu und alles unter Verschwörungstheorie einordnen; es lebt sich entschieden leichter, weil man dann nicht gefordert ist, etwas dagegen zu TUN).

Die Antwort findet sich im Verhältnis-Wirken zwischen Verstand und Instinkt (energetisch gesehen zwischen bewusstem Willen und unbewusstem Trieb). Denn zwischen Verstand und Instinkt befindet sich in einem bestimmten Bereich die Vernunft. Bewegt sich das Tun eines Menschen oder einer Gesellschaft noch im „tierischen“ Bereich, wird der Trieb, mit seinen leidvollen Erscheinungen, überwiegen.

Die Erkenntnis, dass eine vollständige Philosophie ringförmig geschlossen sein muss, Schöpfer und Geschöpf EINS sind, und jeder Mensch seinen Weg (die Schöpfung) selbst bestimmen kann, muss allein reifen. Sie kann nicht gelehrt werden. Notwendige Voraussetzung für diese Erkenntnis ist es, das Verhältnis zwischen Wissen und Glaube in Richtung Wissen zu verschieben. Wenn Ihr Glaube also nicht stark genug ist, oder Sie sogar von ihm abgefallen sind (Sie Schlimmling), haben Sie ganz gute Voraussetzungen. Die weltweit verbreitete Lehre des Materialismus, dass Materie, wenn sie sich nur genug zusammengepappt und strukturiert hat, irgendwann beginnt über sich selbst nachzudenken, ist ein schlauköpfiger Versuch sich der Frage nach dem Impuls zu entziehen. Zugleich geht man elegant einem Schöpfer aus dem Wege. Irgendwann hat's mal richtig urgeknallt und fertig.

Doch sollte zumindest der Wissenschaftler wissen, dass ein Impuls niemals aus dem NICHTS kommen kann. Er wandelt sich innerhalb eines Ringes in die verschiedensten Erscheinungsformen. Auch alle stoffliche Dinglichkeit ist lediglich ein „zeitweilig gefrorener“ Impuls. In der THEORIE, im Impulserhaltungssatz, ist das ganz toll formuliert; aber in der PRAXIS haben wir den Urknall.

—Vier— Grund-Muster des Denkens

Ich bemühte anfangs den Vergleich mit dem Wasserkreislauf in der Natur, um zu verdeutlichen, dass wir nicht umhin können, vorerst einige Dinge hinzunehmen, um später (wenn der Ring sich schliesst) die logische Herleitung selbst vorzunehmen. Bevor wir uns in die Tiefen der Ring-Philosophie begeben, wäre es sinnvoll (vorerst nur oberflächlich) in die „Funktionalität“ des Denkens einzudringen. Die Ring-Philosophie definiert —vier— grundlegende Denkmuster, welche wir sowohl in allen Spezialdisziplinen, wie auch in allen philosophischen Systemen, nachweisen können.

1. Kausal-Denker . . . . .Dualität von Ursache und Wirkung, Beginn und Vollendung
Geschehen . . . . . . . . . . . Reiz und Reaktion, Entstehen und Vergehen

Im Verlauf vieler Jahrtausende haben Menschen versucht, alles was sie umgibt, Lebendes, Unbelebtes, aber auch das, was sie als sICH SELBST erfahren, auf eine Ur-Sache zurückzuführen. Die Frage —Warum ist eigentlich alles so, wie es jetzt ist?— führte (und führt bis heute) ganz natürlich zur Suche nach dem früher und letztlich nach einem Anfang allen Seins. Damit war aber für ernsthaft denkende Menschen sofort eine zweite, weit verzwicktere Frage entstanden. Was war eigentlich vor dem Anfang? Wenn eine Ur-Sache alles uns umgebende Da-Sein und auch unser Bewusst-Sein hervorgebracht hat, als was ist dann diese Ur-Sache bereits vorher existent gewesen? Den frühen Philosophen war klar: diese Ur-Sache musste sich von der danach entstandenen Welt vollständig unterscheiden. Sie durfte nicht mit den bereits erkannten Gesetzmässigkeiten in dieser Welt erklärbar sein, denn ansonsten wäre diese Welt ja schon vorher da gewesen. Die Zuflucht zu einem immateriellen Impuls, einer Überweltlichkeit, welche nicht ergründbar ist, musste fast zwangsläufig erfolgen. Die „exakte“ Naturwissenschaft, welche sich nicht auf Überweltlichkeiten einlassen kann, hat für die Zeit vor dem Anfang das Wort Singularität geprägt. Ein Zustand welcher mit keiner uns bekannten physikalischen Gesetzmässigkeit beschrieben werden kann. Beginnend mit einem Urknall entstanden zugleich alle physikalischen Gesetzmässigkeiten, Naturkonstanten, etc. aus der Singularität. Zugleich zieht man auch ein Ende allen Seins in Erwägung, also jene duale Komponente aller Kausalität. Die orthodoxen Wissenschaften (Physik, Chemie, Astronomie, usw.) stellen noch heute die Kausalität in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. So wird »alles fliesst« als Folge einer zielgerichteten Entwicklung zur Entropie, also einem Ende aller Entwicklung, betrachtet.

2. Polar-Denker . . . . . . Dualität von Kraft und Gegenkraft, Überschuss und Mangel
Charakter . . . . . . . . . . . . Wille und Trieb, Egoismus und Altruismus, Yin-Yang

Sehr früh erkannten die Menschen, dass alles, was sie umgibt, Eigenschaften hat. Je nach ihrer Nützlichkeit für sich selbst ordneten sie die Eigenschaften in gegensätzliche Begriffe wie nützlich-unnütz, gut-schlecht, hell-dunkel, schnell-langsam u. v. a. Viele diese Eigenschaften erschienen ihnen zeitlos, gegeben von einer schaffenden Macht; unveränderlich. Sie unterliegen anscheinend keinem Ablauf, sondern stellten den jeweiligen Charakter einer Eigenwesentlichkeit zeitlos dar. Sie erkannten auch, dass die zerstörerische Funktion einer Axt „gut“ war, wenn sie Feuerholz spaltete, und „böse“, wenn sie gegen Menschen gerichtet wurde. Die Nacht war „gut“, weil sie Ruhe brachte, und „böse“, weil sie Dämonen weckte. Allen Dingen schien eine grundsätzliche, unveränderliche Gegen­sätzlichkeit beigegeben zu sein. Die Philosophen vieler Jahrhunderte haben darin die tiefe Weisheit eines Schöpfers erblickt und auch erkannt, dass es der Mensch ist, welcher die Gegensätzlichkeit der Natur zu seinem Nutzen oder zu seinem Schaden benutzen darf. Aus dieser Sicht heraus entstanden viele esoterisch begründete Kosmogonien; denn es war für den einfachen Menschen nicht nachvollziehbar, weshalb eine Axt im Schädel von einem „an sich GUTEN“ Schöpfer erlaubt wird. Die Polarität wird in idealistischen Kosmogonien über die Figur des Demiurgen, des Satans, oder einfach „des BÖSEN“ hergestellt. In materialistisch dominierten Philosophien ist es (auf das Wesentliche reduziert) das PLUS und MINUS einer Eigenwesentlichkeit, welches eben als Ladung, als Konzentration u. v. a. erscheinen kann. Doch eines war tiefgründigen Denkern immer klar: Jede Dualität ist in sich eine Einheit. Es musste etwas geben was darüberstand, beide Seiten in sich vereinigte, sich aber jeder Beschreibung entzog. Sie waren fest davon überzeugt: Eine Welt in welcher das „BÖSE“ fehlt, ist genauso unmöglich wie eine Batterie ohne MINUS-Pol. Viele philosophische Systeme stellten daher die Gegensätzlichkeit des Kosmos als absolutes Primat in den Vordergrund und reduzieren den Ablauf, also das umgebende Geschehen, als sekundäre Folge dieser „ewigen“ Gegensätze. So wird »alles fliesst« als Folge der Ausgleichstendenz eines ewigen, wechselnden Gradienten (zwischen Min und Max) betrachtet.

3. Lokal-Denker . . . . . Dualität von Einheit u. Vielfalt, Form u. Inhalt, Struktur u. Menge
Substanz . . . . . . . . . . . . .Diesseits und Jenseits, Existenz und Latenz

Die o. a. Philosophien konnten eine wesentliche Frage jedoch nicht beantworten: Wenn die Funktion der Axt festgelegt ist (man wird damit keine Suppe umrühren) und auch ihre möglichen Gegensätze (gross-klein, scharf-stumpf) fassbar sind, blieb doch das, woraus die Axt eigentlich besteht, weiterhin ungeklärt. Sehr früh erkannten suchenden Menschen, dass jedes Ding aus kleineren Dingen zusammengesetzt ist. Und sie erkannten auch, dass jedes dieser kleineren Dinge auch für sich allein bestehen kann. Doch wenn man sie auf sinnvolle Weise zusammensetzt wird ein völlig neues Ding daraus, etwas was aus den Einzelbestandteilen nicht mehr erklärt werden kann. Die Suche musste, völlig logisch, in Richtung einer kleinsten, nicht mehr teilbaren Einheit gehen, aus welcher die uns umgebende Welt aufgebaut ist. Im atomos (griech. das Unteilbare) sollte die Basis aller Stofflichkeit liegen. Doch bei aller Spekulation über die äussere Form dieser unteilbaren Ur-Teilchen war man IMMER davon überzeugt, dass sie einen Inhalt haben müssen. Ob Kügelchen, Wellen oder andere äussere Form, sie mussten in sich Länge, Breite und Höhe haben. Die zwangsläufige Frage nach der Beschaffenheit des Inhaltes (der nicht mehr zerteilbar sein sollte) wurde genauso beantwortet, wie die Frage nach der Singularität, also der Zeit vor dem Anfang, oder nach dem Wesen, dessen was alle Gegensätzlichkeit erzeugt: Es war nicht wichtig. Es war JEN-SEITS des DIES-SEITS und somit den menschlichen Sinnen nicht zugänglich. Mit dieser Sicht auf die Schöpfung war aber plötzlich das JEN-SEITS zum dualen Bestandteil einer umfassenden Weltbetrachtung geworden. Zufluchtsort des sterbenden Menschen, welcher sich nicht damit abfinden will, dass bald alles zu Ende sein soll und auch der Naturwissenschaftler, welche alle unbeantwortbaren Fragen in die Singularität, also in dieses JEN-SEITS verweisen. Das wenige, was man sicher über dieses Jenseits (Singularität) wusste, war: Es existiert dort keine Zeit, keine Energie und keine Materie im herkömmlichen Sinne. Für suchende Menschen aller Zeiten blieb eigentlich nur noch eine einzige Möglichkeit dieses Jenseits ideell zu erfassen. Es war „reiner Geist“, „absolute Idee“, „Ding an sich“, „Intelligent Design“, Gott, u. v. a. Viele Denker gingen noch einen Schritt weiter und erfassten dieses Jenseits philosophisch als universale latente Möglichkeit in welcher alle existente Wirklichkeit bereits als Gedanke, als Idee, vorhanden ist. Ein folgenreicher Denkansatz, denn damit waren LATENZ und EXISTENZ zwei gleichberechtigte Zustände aller uns umgebenden Wirklichkeit. Für ideelle Philosophien (vor allem Gott-basierte Religionen) war die Dualität von Latenz und Existenz kein Problem, denn sie mussten sich nicht darum kümmern, ihre (mitunter ausgesprochen unlogischen) Denkgebäude wissenschaftlich zu beweisen. Doch für die materialistisch begründeten Naturwissenschaften stellte dies eine unüberwindliche Hürde dar. Latenz, also Zeitlosigkeit, Energielosigkeit, Materielosigkeit konnte man nicht mit den Gesetzen der Naturwissenschaft begründen und mathematisch formulieren. Die (leider) schizophrene Folge war das Dogma, dass die Latenz, also das Jenseits, für unwissenschaftlich erklärt wurde, die Singularität aber als ein anerkannter wissenschaftlicher Standard gilt. So wird »alles fliesst« als Folge des Dogmas: Weil dies in der Singularität bereits als Naturgesetz angelegt ist, betrachtet.

4. Abstrakt-Denker . . .Dualität von Absolutheit u. Relativität, Erhalt u. Wandel
Mass . . . . . . . . . . . . . . . . . An-Ordnung-Un-Ordnung, Wissen und Glaube

Zu allen Zeiten gab es aber auch Menschen welche die umgebende Welt der Erscheinungen auf ein grundsätzliches, All-umfassendes Wesen zurückführen wollten. Und dieses Wesen konnte weder im kausalen Ablauf, noch in der polaren Eigenschaft oder gar in der lokalen Substanz allein zu finden sein. Es lag vielmehr nahe nach —ETWAS— zu suchen, was die Umwelt abstrakt zu beschreiben vermag, ohne an eine materielle Sinnlichkeit gebunden zu sein. Dieses —ETWAS— musste in sich logisch und geschlossen sein. Es musste eine Weltsicht, ausserhalb von Sprache, von interpretierbaren Worten, ermöglichen und zugleich die kausale, polare und lokale Funktionalität dieser Welt exakt beschreiben können. Dieses —ETWAS— fand man in den Zahlen. Auch das lästige Problem der SINGULARITÄT, des JENSEITS, konnte man jetzt auf eine Zahl reduzieren. Und zwar auf die NULL. Die Mathematiker hatten die Beschreibung der Welt auf den Punkt gebracht. Zeitlos, Energielos, Materielos liessen sich Zahlen durch Anwendung von Prinzipien in eine Ordnung bringen. Man konnte Eigenschaften ausdrücken indem man Zahlen miteinander ins Verhältnis setzte und die Funktionalität der Welt durch Rechenzeichen, abstrahiert, darstellen. Viele Denker waren fasziniert von dem fast mystisch anmutenden Eigenleben welche den Zahlen scheinbar innewohnte. Nirgends waren sie zu sehen und doch waren sie anscheinend überall vorhanden. Von dieser Faszination aus war es nur ein kleiner Schritt bis zur Behauptung: Eine Überweltlichkeit (Gott, Schöpfer usw.) offenbare sich den Menschen in der Zahl. Die Zahl sei Ausdruck göttlichen Wirkens und nur mathematisch begabte Menschen seien vom Schöpfer auserwählt seinen Willen zu erkennen. So wird »alles fliesst« abstrakt, als die mathematische Funktion zwischen einer mathematischen darstellbaren Menge und eines mathematischen darstellbaren Gradienten erklärt.

Natürlich wissen Sie, dass keines dieser Denkmuster für sich allein bestehen kann. Sie treten immer gemeinsam auf. Zum Problem wird es aber dann, wenn man sich dazu versteigt, einem dieser Denkmuster das Primat zu erteilen. So wie bei Pythagoras die Abstraktheit der Zahl, bei heutiger Wissenschaft die Kausalität vom Urknall zur Entropie, oder bei Kirchgängern die Polarität von Gott und Satan, oder etwa Yin und Yang.

Die Ring-Philosophie stellt die Verbindung dieser —vier— grundlegenden Denkmuster in den Vordergrund. Das heisst im Klartext: Alles was uns umgibt, alles was wir selbst sind, MUSS über alle —vier— Denkmuster GLEICHBERECHTIGT erklärbar sein, und ergibt in ihrer GESAMTHEIT eine völlig neue, sICH SELBST erklärende, Weltsicht. Ich werde immer wieder darauf zurück kommen, dass dies nur gelingen kann, wenn man den Kosmos (also die Ordnung) des ALL-EINEN als ringförmig, in sich geschlossen, betrachten lernt.



Die Einführung und Übersicht zu allen 13 Fragmenten der Impuls-Reihe

Streifzüge durch den Ring –
Fragmente einer, in sich geschlossenen, Weltanschauung


finden Sie im: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Impuls-Beitrag Nr. 39


Die Reihe der Impuls-Beiträge von Andreas Raitzig wird fortgesetzt mit:

4. Alles Wissen war schon einmal da... . . . . . . .Impuls-Beitrag Nr. 43
— Die Ätherhürde
— Die Energiehürde
— Die Geist-Seelehürde


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