[>>]

In der Geiselhaft eines Finanzsystems

Eine initiative vernunft Zuschrift
Von mmg


In der Geiselhaft eines Finanzsystems

Eine gelegentliche Abrechnung in kürzestmöglicher Zuspitzung - unter bewusster Ausblendung argumentativ überstrapazierter, teilweise möglicher, doch wesentlich nur kurzfristig positiver Aspekte.


Die gegenwärtige Finanzkrise beschreibt die größte Perversion des Kapitalismus globalliberaler Prägung seit dem 19. Jahrhundert.


Die „unabhängigen“ neoliberalen Think-Tanks haben es schon lange geschafft, ihren „Ideen“ als Weltsystem Wirkmächtigkeit zu verleihen. Ausführende Organe waren dabei das Welthandelssystem der WTO, die Weltbank, der Internationale Währungsfond (IMF) und beispielhaft die EU, die gerade in ihren Grundwerten genau wie die WTO ein System etablierte, welches die Ordnung liberaler Menschenrechte mit „Nicht-Diskriminierungs“-Klauseln wie in einer totalitären Pseudo-Religion auch auf die Warenwelt übertragen hat, um diese Ordnung durch „objektive“ Gerichtsurteile sukzessive fortzuschreiben und - der Demokratie enthoben - zunehmend festzuschrauben.

Geschäftig wurde (fast) alles nur Mögliche wirtschaftlich liberalisiert, wurden zentrale Infrastruktureinrichtungen privatisiert und der demokratischen Kontrolle gänzlich entzogen, um die „Unsichtbare Hand“ zur planetaren Götze zu erheben. Ganze Sparten kleiner und mittelständischer Unternehmen und deren vielfältige Produktpalette wurden von „Global Players“ vernichtet, die Zölle wurden weitgehend abgeschafft, um Arbeitskräfte in Westeuropa mit jenen in China in Konkurrenz treten zu lassen. Es wurden jene Regulative beseitigt, die ungleiche soziale und arbeitsrechtliche Bedingungen kompensieren können, was sinnlos-schädliche, umweltverpestende Kartoffelweltreisen und die Schaffung eines neuen Industrieproletariats in der 3. Welt, sowie die industrielle Ausbeutung von Kindern fernab unser Wahrnehmung erst ermöglicht hat.

Die Bedingungen dafür liegen nicht irgendwo im Abstractum neuer Zeiten, sondern sie sind Ergebnis konkreter politischer Beschlüsse. Das politisch „organisierte Verbrechen“ des Finanzsystems (Jean Ziegler u.a.) wurde insbesondere von der EU im Vertrag von Maastricht entfesselt, in welchem die totale Liberalisierung der Finanzmärkte nicht nur innerhalb der Union, sonder auch gegenüber allen Dritten festgeschrieben wurde. Diese Verflechtung ist auch der Grund, warum die ganze Welt von der gegenwärtigen Krise betroffen ist und nicht nur einige Privatimmobilienfinanzierer in Übersee. Und sie ist auch die Ursache dafür, warum Island pleite ist, nämlich nicht etwa deswegen, weil es nicht Mitglied in der EU ist!

Was in diesem Finanzsystem alles sehenden Auges verbrochen und politisch legitimiert wurde, soll hier gar nicht erst aufgezählt werden. Umgekehrt ersparen wir uns die Rezitation ohnehin allgegenwärtiger Lobreden auf ein angeblich alternativloses Konzept modernen Wirtschaftens. Wir beobachten das fortgesetzte Versagen einer ganzen Generation von Politikern und es wurde wieder einmal bewiesen, dass das weitreichende Versagen eines gesamten, nein: mehrerer gesellschaftlicher Funktionssysteme möglich ist - insbesondere dann, wenn man sich besonders sicher ist, den stets „irrationalen Ängsten“ in der Bevölkerung möglichst autoritär zu begegnen.

Während Organisationen wie 'Attac' schon seit einem Jahrzehnt vor diesem System warnen, zahlreiche Wissenschaftler dessen unmögliche Langlebigkeit ausgewiesen haben und der bekannte Kritiker und Aktivist Lyndon LaRouche den Zusammenbruch des Systems spätestens für das Jahr 2008 prognostizierte, arme und vernünftige Menschen nicht in die Spekulationsblase investiert und schon gar nicht davon profitiert haben, ist dieses zynische System nun völlig absehbarerweise auf Sand gefahren und dessen Profiteure mit ihren goldenen Kälbern schon längst im Trockenen. Und doch will es wieder einmal niemand gewesen sein.

Nun zur herausragenden Perversion der Geschichte: Jener Staat, der als vernünftige demokratische Verfassung der Völker von derselben Lobby als reiner Störfaktor denunziert und so gut es ging unter sein politisches Existenzminimum zurückgedrängt wurde, soll nun in direkter Vertretung seiner Steuerzahler – also großteils der Nicht-Profiteure – für den angerichteten Schaden haften. So haben wir uns die Rückkehr des Staates nicht vorgestellt! In der amerikanistischen und EU-parlamentarischen Alternativlosigkeit zwischen bürgerlich-liberal und sozial-liberal hat sich der institutionalisierte Filz zuerst die Banken vorsorglich eingewebt. Großteils ohne Bedingungen – der Staat möge sich doch nicht „einmischen“ - werden hunderte Milliarden in insolvente Institute gepumpt, die das ihnen anvertraute Vermögen der Bürger im Casino Global verzockt haben.

Oder das Bankenkapital wird aufgestockt und soll bei „8% garantierter Verzinsung“ (erinnert uns das an irgendwas?) nach einigen Jahren dem Staat wieder zurückgezahlt werden. Das heißt: Jene, die vernünftigerweise und absichtsvoll keine Spekulationspapiere hatten oder sich keine leisten konnten, werden nun vom Staat gezwungen, gerade jetzt doch noch welche zu erwerben, damit das hypothetische Kapital der Profiteure nicht noch weiter nach unten rasselt!

Und dies alles dafür, damit sich genau NICHTS ändert, damit ein System wieder aufgepäppelt wird, dass unseren Planeten Erde nicht nur im Visier, sondern unter Beschuss hatte und dass in seinem totalitären Wachstumswahn schon längst rücksichtslos eine globale Katastrophe losgetreten hat, nennen wir sie Klimawandel, nennen wir sie individuelle, gesamtgesellschaftliche und globale „Entfremdung“ (selbst wenn dieses Wort nach Hegel vor allem mit dem genialen Analytiker, aber schlechtem Anthropologen und Visionär Karl Marx in Verbindung gebracht wird). Oder nennen wir sie Globalisierung einer urbanen, chronisch überbevölkerten „Misstrauensgesellschaft“ (Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt), die rasend auf eine strikte Trennung zwischen bewachten Ressorts und unerträglichem Großstadtjungle zusteuert und nennen wir sie schließlich zunehmende Aussichtslosigkeit für zukünftige Generationen, auf diesem Planeten ein erfülltes und dem Wesen des Menschen einigermaßen entsprechendes Leben zu verbringen.

Jenes Fenster, das sich aufgetan hat, um die Prinzipien unsere Wirtschafts- und Finanzordnung der internationalen Hasardeure – insbesondere in langfristigen Hinsichten - etwas grundsätzlicher durchzudenken, soll so schnell wie möglich wieder geschlossen werden, damit im Casino Global die nächste Runde endlich eingeläutet werden und das Phantom der „Unsichtbare Hand“ sein Walten wieder aufnehmen kann: Ihre Einsätze bitte – rien ne va plus! Und stören Sie doch nicht den Betrieb, der stört sich schon selber.





Weitere Texte und Analysen zur Finanzkrise


> Die HuMan Wirtschaft – Lebens-förderliches Wirtschaften
http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5336912/

Beschleunigter Zusammenbruch des Finanzkartenhauses - Eine Chronologie
http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5368290/

> Zur aktuellen Geld- und Weltwirtschaftskrise
http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5268974/




Haben Sie einen Text, den Sie als Zuschrift oder in Form eines Impuls-Beitrages auf initiative vernunft veröffentlichen möchten?
Senden Sie uns Ihre eMail an: initiative.vernunft (ätt) yahoo.de, Danke!

LD (Gast) - 16. Feb, 23:33

Noch mehr Beiträge zum Geldsystem und zur Finanzwirtschaft

Eine ausführliche Analyse der Problematik einschliesslich der mathematischen und psychologischen Hintergründe findet sich auf http://www.dobszay.ch/aktuelle-themen/geldsystem-und-finanzwirtschaft/. Kommentare dazu sind herzlich willkommen.

Trackback URL:
http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5512420/modTrackback

initiative vernunft

Logo

Willkommen! im Kreis von fünfundvierzigtausend initiativen und vernünftigen Mitmenschen

initiative vernunft Informationen - Unterscheiden ohne zu urteilen

Mensch sein heisst, in seinem Leben täglich wichtige Einblicke und Erfahrungen zu machen, und - das ist das Besondere hier auf der Erde - zugleich Schöpfer-zugewandte wie Schöpfer-abgewandte Aspekte kennen und unterscheiden zu lernen, ohne zu (ver)urteilen. Blicken Sie mit initiative vernunft auf beide Seiten derselben Medaille:


Schöpfungs-zugewandte Aspekte: initiative vernunft Impuls-Beiträge
Schöpfungs-abgewandte Aspekte: initiative vernunft Recherchen

Das Informations-Angebot von initiative vernunft im Überblick


Impressum

Meist gelesene Seiten heute

Suche in initiative vernunft

 

> initiative und vernünftige Partner

Zeitpunkt Heft Nr. 101

Gehen wir anarchischen Zuständen entgegen?

Regierungen ohne Geld können nicht mehr regieren. Um sich in herrschaftslosen Zuständen orientieren zu können, sollte man sich jetzt schon in konstruktiver Anarchie üben. Diese Überlegung steht im Zentrum der neusten Ausgabe des Zweimonatsmagazins Zeitpunkt zum Thema «Konstruktive Anarchie».

Das bringt der Zeitpunkt 101

Das Heft mit konkreten Beispielen konstruktiver Anarchisten ist in der Schweiz ab dem 29. April und im deutschen Bahnhofsbuchhandel ab dem 5. Mai für Fr. 10.- bzw. € 6.50 erhältlich.

Zeitpunkt - Für intelligente Optimistinnen und Optimisten

P.M.: Neustart Schweiz http://neustartschweiz.ch/ LHC Kritik - Unabhängige Infoseite zu den Experimenten am LHC des CERN in Genf

Der Zerfall der Währungen sieht man daran:

(ohne Gewähr, zeitl. Verzögerungen bzw. Nicht-Aktualisierungen möglich)

[Most Recent Charts from www.kitco.com] [Most Recent Charts from www.kitco.com] Goldseek Charts: Click here to visit GoldSeek.com! Click here to visit GoldSeek.com!

Live Spot Silver Chart: Swiss Franc

Wetter

Aktuelles Wetter in Zurich:


Temperatur: 7 C
UV Index: N/A
Luftfeuchte: 84 %
Sichtweite: Unlimited km
Luftdruck: 947.9 mb
Windstärke: 23 km/h

Weather data provided by weather.com