Einige Überlegungen zu den "Fragen an vernünftig Denkende"
Von Matthias Kamber
Einige Überlegungen zu den "Fragen an vernünftig Denkende"
Diese nachfolgenden Denkansätze haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Du stellst grosse Fragen, meiner Meinung nach eine willkommene Herausforderung für "vernünftig Denkende" Menschen. Ich suche mit diesen Überlegungen aber nicht den intellektuellen Wettbewerb, noch beanspruche ich Recht zu haben. Ich verstehe diese Gedanken eher als suchende Reaktion auf interessante Fragen.
- Ich denke, die nächste Krise kann damit nicht verhindert werden, weil die hinter den Steuermassnahmen stehende Intension und das zu Grunde liegende Denken identisch sind. Aber kann eine Krise nicht auch Anlass sein für Reflexion und innere Entwicklung? So wie alles, was geschieht, seine Ursache hat, hat auch alles seine Wirkung. Welche Wirkung (Erkenntnis, Folgerung) der angestossene Prozess in uns entfaltet ist offen und folgt unserer Entscheidung.
- Wenn man den nackten, unreflektierten und selbstgerechten Egoismus als Gesinnung bezeichnen kann, so vermute ich, dass dieser die Prägung der globalen Elite am besten umschreibt. Egoismus in all seinen Formen, sei es als nationaler Patriotismus, als „Corporate Identity“ oder mehr in seiner privaten Ausprägung sind die Grundlage für sämtliche Gräueltaten rund um den Globus. Sein Erkennungsmerkmal ist die Rechtfertigung seines Handelns. Übrigens hat der Egoismus auch eine Kehrseite: Den Masochismus. Dieser ist mindestens so übel und verfolgt das selbe Ziel wie der Egoismus: Nur nicht der Wahrheit in die Augen sehen.
- Krisen und Kriege kann man nicht gleichsetzen. Krisen gehören unter gewissen Umständen zum Leben und haben die Funktion, der Entwicklung des Menschen zu dienen. Kriege hingegen sind „Politik mit anderen Mitteln“ (wie Carl von Clausewitz gesagt haben soll). Kriege folgen einer inneren Logik, die bereits in der vorausgegangenen Politik angelegt war. Die Grundlage dieser Politik ist im Egoismus (eines Individuums, einer Institution, eines Staates oder einer Organisation) zu finden.
- Die UNO ist m.E. keine Friedensorganisation - obwohl sie als solche einst gedacht war - sondern ein gewaltiger Beamtenapparat, der in erster Linie kaschierte Partikularinteressen durchsetzt und sich mit dieser Funktion selbst legitimiert. Sie stand seit jeher im Dienste ihrer Geldgeber und war dadurch immer auch korrumpierbar. Die Menschenrechts-Charta ist von der Idee her und im Ansatz ein wichtiges Instrument. Sie steht grundsätzlich über nationalem Gesetz. Ihre Funktion besteht im Grunde darin, besonders ignorante, vergessliche, hartnäckige oder gewissenlose Zeitgenossen mit einer gewissen Verbindlichkeit daran zu erinnern, dass die Menschen eine unantastbare Würde haben.
- Bewaffnete "Frieden sichernde" Einsätze sind per se eine Farce und verfolgen unter der Oberfläche ganz andere Ziele. Wenn „die UNO“ als Organisation solche fordert oder erlaubt, steht sie im Dienst besonderer Interessen. Der Papiertiger lässt grüssen.
- Welches von beiden vernünftiger ist, weiss dein Herz, aber ich denke, es ist ebenso dem Verstand zugänglich:
Vergebung oder Rache: Rache mag eine süsse Frucht im Mund sein, aber sie ist sehr bitter in der Verdauung. Das Gesetz von Ursache und Wirkung bindet Rächer und Opfer an einander, auch über Inkarnationen hinweg. „Das Schicksal“ ist nicht zu übertölpeln und wird auf geeignete Weise dafür sorgen, dass die Lektion der Vergebung (die Lektion der bedingungslosen Liebe, wie es wahrhaftigen Kindern Gottes gemäss ist) gelernt wird. Diese Lektion ist an keine Religion oder Konfession gebunden, sondern „dem Menschen an sich“ vorgegeben.
Gewaltlosigkeit oder Gewalt, Liebe oder Hass, Achtsamkeit oder Verachtung: Wenn immer wieder vom Kampf der Gegensätze gesprochen wird, muss doch bedacht werden: Im EINSSEIN ist alles vorhanden und ungeteilt. Es gibt kein gut und schlecht, es gibt nur „gut“ und (vielleicht kann man es so nennen:) „gegengut“. Erst in der dreidimensionalen Getrenntheit, der „niedersten“ Ebene der Existenz, nehmen diese Aspekte scheinbar polare Qualitäten an. Doch bedenke: Wie kannst Du erkennen, was Licht ist, wenn Du nie den Schatten gesehen?
Und noch etwas: Wenn „gut“ und „schlecht“ gegen einander kämpfen, so ist doch Folgendes stets gegeben: „Das Gute“ hilft sich gegenseitig und stärkt sich auf diese Weise. „Das Schlechte“ vertraut sich auch unter seinesgleichen nicht und fügt sich gegenseitig ständig Schaden zu. Auf diese Weise schwächt es sich unentwegt. Die Erfolgsaussichten sind entsprechend unterschiedlich.
Liebe oder Hass: Hass ist missverstandene Liebe. Hass entsteht aus enttäuschter Liebe. In jeder hassenden Person war einmal grosse Liebe. Wenn diese Liebe sehr gross war und gleichzeitig geprägt von starkem Verlangen, Sehnsucht oder gar Eifersucht, also von persönlichen Schwächen, so wirkte diese Liebe nicht befreiend sondern einengend und fesselnd. Das „Haben wollen“, der „Besitzdrang“ haben das Herz vergiftet und dieses Gift war die Ursache für den Schmerz, welcher der Ent-Täuschung folgte. Der Schmerz kann instinktiv einen Aggressionsschub (Überlebens- und Schutzfunktion) zur Folge haben. Doch wird im Falle einer Reaktion in Form von Hass auf das ehemals geliebte Subjekt (das Objekt der Begierde) nur noch mehr Gift frei, das sehr destruktiv wirkt, und zwar viel mehr noch nach innen als nach aussen. Es führt da kein Weg raus als über das Vergeben (sich selbst) und die selbstlose Liebe. Der persönliche Egosimus wird alles unternehmen, diesen Entwicklungsschritt zu sabotieren. Er wird sich winden und schimpfen - oder in Form des Masochismus wirken. Er muss für diesen Weg gewonnen werden, im Sinne einer Heilung und Befreiung der Persönlichkeit.
Gleichheit aller Menschen oder Ungleichheit: Als Kinder Gottes sind wir alle gleich. Wir sind Seelen in Körpern, die ihre Lektionen in den Welten der Getrenntheit lernen. Als Persönlichkeiten haben wir unterschiedliche Voraussetzungen. Doch dürfen wir - bei aller Vorsicht, dies darf nicht missverstanden werden - nicht annehmen, diese oberflächlichen Unterschiede seien von überragender Bedeutung. Sie machen uns nicht zu etwas Besserem oder zu etwas Minderwertigem. Sie sind nichts anderes als die Bedingungen, unter welchen wir gewisse Lektionen am besten lernen können. Wir sind nicht die Kleider, die wir tragen, und genauso wenig sind wir die Körper, in denen wir leben. Wir drücken uns lediglich durch unsere Körper aus. Und nur darauf kommt es an: WIE tun wir das? Mit Liebe und Mitgefühl für unsere Mitmenschen - oder ignorant und selbstgerecht?
- Letzte Frage: Es stellt sich die Frage, was unter „Liebe“ verstanden wird. Dieses Wort wird so oft missverstanden und missbraucht. Wird darunter mehr oder weniger ausschliesslich eine bestimmte Qualität von Emotion (ein Sentiment) verstanden, kann m.E. das Denken tatsächlich getrübt sein und das Handeln unvernünftig. Reine, bedingungslose und wahrhaftige Liebe als der bewusste Ausdruck eines erwachten Selbst hingegen trübt den Verstand nicht, sondern inspiriert zu vernünftigem und weisem Handeln. Und zwar ungeachtet dessen, ob das Handeln von Aussenstehenden ebenfalls als vernünftig bezeichnet wird. Von solcher Liebe getragene Entscheide und Handlungen folgen einer starken inneren Verpflichtung, unbeirrbar und klar bewusst.
initiative vernunft Zuschrift
Fragen an vernünftig Denkende
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