> Das populäre Denk- und Verhaltensmuster
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> Das populäre Denk- und Verhaltensmuster
Von Max Schnyder, mmschnyder@bluewin.ch, zeit-ethik.ch
E s herrscht eine allgemein anerkannte Mentalität, die das weltweite Geschehen bewirkt, jedoch nicht erfüllt ist von der liebenden, vergebenden und gewaltlosen Lehre Jesu. Sie bestimmt das Tun der fünf Fakultäten, Politik, Religion, Wirtschaft, Wissenschaft und Justiz, die zwangsläufig von ihr durchdrungen sind. Warum sie populär ist, ist schwer zu verstehen. Sie ist weder von Gott vorgesehen, von einem blindwütenden Schicksal ausgelöst, noch ein ominöser Zufall. Ich rede zu dieser Mentalität, als wäre sie ein Wesen, was sie natürlich nicht ist, aber sie treibt ihr entsetzliches Unwesen:
„Du glaubst mehr an die Vergeltung, als an die Versöhnlichkeit, mehr an den Ungleichwert der Menschen, als an deren Gleichwert, mehr an die Gewalt, als an die Gewaltlosigkeit, mehr an die Hab- und Machtgier, als an die Anspruchslosigkeit, du hast keine Ehrfurcht vor dem Leben. Die Menschheitsgeschichte ist der Beweis dieses Irrsinns. Seit jeher erliegen die Menschen deiner Wahnvorstellung, den Frieden mit Gewalt erzwingen zu können, und dass materieller Reichtum und Macht erstrebenswert seien. Einen dauerhaften Frieden hast du damit noch nie errichtet. Du bist uneinsichtig und lässt dich blenden von kurzzeitigen Erfolgen, die deinen Wahn zu bestätigen scheinen. Zum Beispiel deine durch Kriege erzwungenen brüchigen Frieden, die jedoch der nächste Krieg zerstört, der bereits mit der lächerlichen Siegesfeier des Siegers beginnt.
Du beherrschst das Denken aller fünf ‚Fakultäten’. Politik und Wirtschaft beauftragen die Wissenschaft, Massenvernichtungsmittel gegen Menschen und Insekten zu entwickeln und entscheiden dann, welche Massen wann und wo zu vernichten sind. Die Wissenschaft tut mit, weil sie, wie die Politik, am Gängelband der Wirtschaft hängt. Die Staaten sind von dir so verdorben, dass sie schon den Schulkindern im Geschichtsunterricht beibringen, dass Kriege gerechtfertigt seien. Die alten ‚Kriegshelden’ werden hochgejubelt, obwohl sie Kriegsverbrecher sind. So gewöhnst du schon Kinder an die staatliche Tötungsgewalt, die sie fraglos anerkennen müssen. Damit erreichst du, dass all zu viele nicht einsehen, dass die Gewalt kein Friedensmittel ist. Du lässt sie deine faule Ausrede nachplappern: »Es gab zu allen Zeiten Kriege, sie sind manchmal unerlässlich, das ist üblich.« – Ja, du Wahnsinnige, es ist üblich, aber nicht normal. Du bist dir nicht bewusst, dass das Übliche nicht immer normal, und das Normale eher unüblich ist. Wenn die Schulkinder volljährig sind, geht ihre Erziehung zur Gewalt weiter, in militärischer Ausbildung. Wer nicht mittun will, wird bestraft. Der Mann von der Strasse muss die ganze Mordmaschinerie berappen. Warum tut er dies, obwohl er doch weiss, dass er und die Seinen die Mordopfer sind? Auch wird er dazu verurteilt, im Krieg Henker zu sein, was er heldenhaft und Vaterlandshymnen singend vollzieht. Das ist üblich. Warum soll das normal sein? So gründlich hast du die Menschheit verdorben!
Die Wirtschaft ist dein liebstes Kind, weil sie auch die Politik beherrscht. Sie kann sich hinter der Politik verbergen und aus der Deckung heraus die Kriege finanzieren. Noch nie wurde ein Krieg aus Geldmangel abgesagt. Ihr geht es um Reichtum, den sie mit deiner Mentalität anhäuft – die Kriegsindustrie ist ein lukratives Geschäft. Sie braucht die Kriege, um neue Waffen zu testen, weiter zu entwickeln und zu verkaufen. Und sie will viel verkaufen. Sie wolle nichts als Arbeitsplätze schaffen, versichert sie dem Mann von der Strasse – Brot für Kriegsleichen. Die verantwortungslosen Boden-, andere Spekulationen und Immobilienhandel, sind die Verursacher der Teuerung, für die der Mann von der Strasse – der Landlose – aufkommen muss. Der Menschheit grösste Verbrecher sitzen nicht in Zuchthäusern. Je mehr sich deine Jünger bereichern, um so angesehener sind sie, lehrst du, obwohl das auf Kosten der Landlosen geschieht. Die Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, aber nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Gewinnsucht. Rücksichtslos baut sie die wieder ab, wenn sie ihre Reichtumssucht nicht befriedigen kann. Du gehst nicht nur über Kriegsleichen hinweg, auch über Wirtschaftsleichen. Und das sind sie doch, die Working Poor, die Arbeitlosen und die jährlich ungezählten Verhungerten, alles Landlose!
Deine Mentalität umfasst alle Fakultäten. Es ist noch nicht lange her, haben Religionen, von dir erfüllt, im Namen ihres Gottes viele Völker dezimierten, ja ausgerottet. Von dir verseucht, erlagen sie dem Wahn, den Frieden mit dem Schwert in der Hand predigen und ‚heilige’ Kriege führen zu dürfen. – Vielleicht waren die Kreuzzügler die ersten Selbstmordattentäter der Menschheitsgeschichte, die im Namen Gottes mordeten. – Erst in neuerer Zeit rappeln sie sich manchmal gegen den Krieg auf – verbal, ohne Taten. Die wenigen welche deinem Tun widersprachen, wurden mit deiner Mentalität eliminiert. Dies geschieht noch in unseren Zeit. Wenn Jesus heute wieder käme, würdest du ihn wieder ermorden, wie du Mahatma Gandhi, Martin Luther King und andere ermordet hast.
Deine Mentalität bewirkte den ‚Schuld-Strafe-Kult’. Die Religionen erfanden, dir getreu, den ‚Sünde-Kult’, und lehrten dem Mann von der Strasse einen zornigen, strafenden, rächenden und gar verdammenden Gott. So ist Gott aber nicht.
Du behauptest, dass der Mensch unverbesserlich sei und zum Bösen geboren. Damit behauptest du, er sei zum Bösen bestimmt. Das ist eine Lüge. Denn wenn wir zum Bösen bestimmt wären, könnten wir nicht den tiefen Wunsch in uns tragen, unser Leben in Frieden zu durchleben, inmitten einer friedlichen Menschheit. Diesen wahrhaft göttlichen Wunsch verspottest du, als nicht realisierbare Utopie.
Du bewirkst den Wahn, nur mit Strafe könne die Gerechtigkeit wieder hergestellt werden. Von welcher Gerechtigkeit redest du? Du weisst überhaupt nicht was Gerechtigkeit ist. Wie willst du das wissen, mit deiner reichtums- und vergeltungssüchtigen Mentalität? Du bist der Teufel selbst. Du hast die Hölle gebaut, mit deinen gewaltgläubigen und reichtumssüchtigen Jüngern. Die Justiz richtet ihre scheinbare Gerechtigkeit auf die gerade herrschende Politik und Wirtschaft aus, die sich laufend ändern. Sie hat noch nie Kriege verhindert. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Mit deiner Mentalität, gehört das Recht dem Starken. Der aber ist ein Schwächling, ein ethischer Stümper. Die Grösse der Stärke manifestiert sich nicht im Zu- und Zurückschlagen, nicht in der Gewalt, sondern im Verzeihen, in der Gewaltlosigkeit, in der Gerechtigkeit der Ethik der Liebe zu allem Leben und in der Hilfe, die sie dem Schwachen schenkt.
Du solltest einsehen, dass du der Zerstörer einer friedlichen Menschheit und all ihrer Kulturen warst, bist und sein wirst. Und wir sollten einsehen, dass dich allzu viele Menschen anbeten.“
Unser Leben definiert sich selbst. Überlassen wir die Religionen ihrem Wahn der Gottesvertreter, die Wissenschaft ihrem sterbenden Universum, mit seinen zufällig entstandenen Sternen und ihrer Vernichtungstechnologie, die Politik und Wirtschaft ihren heiligen Zweckmitteln, ihren Lügen, Schönreden und Gewalt. Wagen wir es, ein jeder für sich, unseres Traumes Pforte des Friedens zu öffnen, mit einem versöhnlichen Sein, um die amtlichen Grenzen der gewalttätigen Mentalität zu überschreiten, wo wir beginnen mit der Ethik der Liebe zu allem Leben, gerecht und somit vernünftig zu leben.



