MENSCH

> Die Frage des Menschseins

initiative vernunft Impuls-Beitrag Nr. 28
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> Die Frage des Menschseins
Von Jürgen M.


S chon oft habe ich mich gefragt, worin das Eigentliche meines menschlichen Daseins besteht. Die Quelle der Frage liegt wohl in mir selbst, so wie in jedem Menschen der sie jemals gestellt hat. Allein die Fähigkeit und Erfahrung, die Frage stellen zu können und an der Beantwortung interessiert zu sein, ist, wenn ich es mir genau anschaue, eine der ersten und erstaunlichsten Dinge, die mir begegnet sind. Anfangs war ich besorgt und unsicher, wie wohl die Antwort lauten könnte, und scheute die Frage. Inzwischen bereitet es mir Vergnügen, die Frage immer wieder neu zu stellen.

Doch die Verzweiflung über das „Hineingeworfensein in das Leben” kann einen Menschen zutiefst verunsichern. Es ist, gerade für einen jungen Menschen, ein Prüfstein seiner Selbstsicherheit, ein möglicher Stolperstein seiner Selbstbildung, der aber auch zum Eckstein seines Selbstwertes werden kann, wenn er sich der durchaus ausweichlichen Aufgabe stellt und den aufkommenden Fragen und dunklen Unsicherheiten nicht ausweicht.

Wie viele Berufsausbildungen, vor allem in sozialen und geisteswissenschaftlichen Bereichen, werden gewählt, im Versuch, wenigstens ansatzweise die Frage nach dem „Menschsein” zu klären. Dies bietet sich an, da die erste Frage lautet: Was will ich (beruflich) werden? Oft spüren die jungen Leute, dass diese Frage nach dem Beruf etwas mit der Berufung zu tun hat, herauszufinden, worin der Sinn (oder Unsinn) des eigenen Daseins besteht.

Doch wie soll man anfangen, wen kann man fragen? In unserer heutigen, „aufgeklärten” Zeit, eigentlich seit der Aufklärung und noch eigentlicher schon immer seit Menschen darüber nachdenken, tritt sofort ein grosses Problem auf: Es fehlt eine unleugbare Wissensinstanz. In jeder Zeit gab es genügend Menschen, die sich in der Frage nach dem Menschsein grosse Mühe gaben und, soweit uns die „alten heiligen Schriften” zeigen, ihre Antworten fanden. Soweit sie ihre Ansichten plausibel darbringen konnten, waren auch genügend Anhänger der Lehren zu finden.

Eins scheint allen Religionen und Philosophien gemeinsam zu sein: Die Suche nach dem „Sinn des Lebens” ist wohl eine ureigenste Sehnsucht des Menschen, ab dem Moment wo er beginnt, sich als Mensch wahrzunehmen, was wohl relativ früh beginnt. Der  Unterschied im Erfolg der Bemühung liegt nur noch graduell, bedingt durch Gelegenheit, Bildung, Durchhaltevermögen und letztendlich den Schlussfolgerungen aus den Bemühungen selber.

Soweit kann ich als mittelmässig gebildeter Europäer des 21. Jahrhunderts noch folgen. Es wurden unzählige Schriften verfasst, die scheinbar nichts mit der Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens zu tun haben. Schaue ich mir jedoch genauer an, was ein themafremdes Buch versucht zu klären, finde ich die Frage in versteckter Form wieder. Zum Beispiel ein Buch über die sogenannten „Schwarzen Löcher” im Weltall. Was fasziniert an diesem Phänomen?

Ist nicht die Frage, was Schwarze Löcher sind und wie sie funktionieren, ganz geheim, auch die Frage nach sich selbst? Aus zwei Gründen wage ich diese Behauptung. Erstens sehe ich, dass „Schwarze Löcher” im Bewusstsein als physikalisches und mathematisches Konstrukt existieren. Denn, ob sie „wirklich” im Weltall „sind”, als was sie dort sind, wie sie aussehen, welche Phänomene sie verursachen usw. kann ich nicht direkt, als Phänomen, in meinem Leben erleben. Ich kann es vermuten aufgrund meiner erlernten Logik und des gesamten bisherigen Wissens über physikalische Vorgänge im Weltall. Mehr aber nicht. Sie sind, nach meiner Meinung, ein menschliches Gedankenkonstrukt, das mich letztendlich zu einer Teillösung führen soll, wie das Weltall funktioniert oder entstanden ist. Wenn ich wüsste, wie die „Materie” entsteht (und im Schwarzen Loch verschwindet), kann ich eventuell auch klären, wie der Mensch entstanden ist und dann wüsste ich eventuell, wer oder was „Ich” denn so eigentlich bin. – Welch eine Verschwendung (und Kreativität) menschlichen Forschergeistes!

Diese Art der Denk- und Lebensweise ist aber auch zerstörerisch. Sie führte zur Atombombe. Zur Vernichtung. Und darin liegt der zweite Grund verborgen. Es ist offensichtlich so, dass die Existenz einer Sache (auch meiner eigenen Person, wenn ich mich als Objekt betrachte) dadurch scheinbar bewiesen werden kann, indem ich sie „vernichte”. Dies ist kein Paradoxon. Ich stehe vor einem Phänomen, z. B. einem Stein so gross wie ein Fussball, und frage mich, ist dieser Stein tatsächlich irgendwo da draussen, ausserhalb meiner Wahrnehmung, ausserhalb meines Bewusstseins, tatsächlich da und wenn ja, was genau ist er? Sehr schnell komme ich durch sehen, fühlen, schmecken, riechen, messen usw. zu der Schlussfolgerung, dass meine Wahrnehmungen beschränkt und unzuverlässig sind. Ich sehe nur Oberfläche, messe nur Gewicht auf der Erde. Auch zerschlagen, zermalen und immer mehr zerteilen bis zur Molekülebene führt immer nur zu neuen Wahrnehmungen, die neue Fragen hervorbringen. Nun „erfinde” oder „finde” ich Geräte und Messeinheiten, die mir „noch mehr zeigen”. An irgendeiner Stelle des Zerteilens lasse ich Atome zerfallen, um zu schauen, ob noch kleinere „Partikel” festzustellen sind. Ja tatsächlich es geht weiter, doch die Beschreibung, was da „ist”, wird immer schwieriger. Die Messgeräte nehmen gigantische Dimensionen an, vom Atomzertrümmerer bis zum Weltraumteleskop.

Inzwischen sind die Erklärungen nur noch mathematisch darstellbar und von Wahrnehmungen entkoppelt. Masse krümmt Raum, Zeit wird „gedehnt” und nun existiert der Stein, als Formation, schon lange nicht mehr. Was übrig bleibt, ist etwas „Geistiges”. Symbolisch formuliert im Bewusstsein der Menschen, die die Symbole „anwenden” und dadurch meinen, die tatsächliche Welt zu verstehen. Der Stein als morphologisches Gebilde (die Gestalt und den Aufbau betreffend) ist längst verschwunden. Etwas Neues ist aufgetaucht: Eine weitere Erklärung wie sich die „materielle Welt” zusammensetzt und gemäss gegebener physikalischer Gesetze verhält. Da ich ein Teil dieser Welt bin und mich für Materie halte, habe ich scheinbar nun eine weitere Erklärung, was ich bin und wie ich funktioniere. –

Könnte dies so sein? Obiges klingt bitter. Habe ich diesen Drang des „homo intellecticus“ zur Selbsterkenntnis falsch oder zu vereinfacht beschrieben? Vielleicht, weil es eine unzulässige Verallgemeinerung wissenschaftlicher Denkweise war. In manchen Fällen ist der „Baum der Erkenntnis”, den wir Wissenschaft nennen, ja auch gesegnet.

Auch ich verspüre diesen Drang, verstehen zu wollen, und versuche nachzuvollziehen, was einige Menschen seit Jahrtausenden fasziniert hat. Was bin ich in der „Welt”? Gibt es Welt „in” mir und „ausser” mir? Was sagt hier „Ich”? Kann ich die Phänomene, Konzepte, Konstrukte, Erkenntnisse meiner ureigensten Existenz (was das auch sei) von „innen” aus meiner persönlichen, geistigen Schau heraus ergründen ohne Materie (was das auch sei) zerstören zu müssen? Kann ich mich selber begreifen? – Es scheint unmöglich. Es gibt mehr Fragen als Antworten. Selbst die Gründung einer „Wissenschaft vom Bewusstsein” könnte schwierig werden.

Die heutige Situation, nach einer leidvollen menschlichen Geschichte, nach Religionskriegen und während eines Religionskrieges, nach Entmystifizierung usw., ist nicht anders als vor fünftausend Jahren: Jeder einzelne Mensch steht immer wieder vor dieser gleichen, entscheidenden Frage: Was heisst es (für mich) Mensch zu sein? Was anders zu sein scheint, ist das vorhandene Angebot an vorgefertigten Antworten. Doch grade hierdurch entsteht ein neues Problem: Welche der unglaublich vielen Lehren und Philosophien ist die richtige (für mich)? Auch hierauf kann keine Antwort gefunden werden; es fehlt die unanzweifelbare Wissensinstanz.

Daraus die „Erkenntnis” zu ziehen, dass diese Frage unbeantwortet bleiben muss, ist verständlich aber zutiefst unbefriedigend. Sich nicht weiter darum zu bemühen ist einerseits scheinbar befreiend, denn einfach zu „leben”, das heisst auf der einen Seite die körperlichen Grundbedürfnisse zu sichern und (z. B. gemäss der Maslowschen Bedürfnispyramide) dann nach „oben” weiter fortzuschreiten, was immer dann auch „Selbstverwirklichung” für den Einzelnen heissen mag, ohne weiter zu fragen, „warum und wieso”, wird gesellschaftlich als honorabel akzeptiert. Aber manchen Menschen reicht diese Vorgehensweise trotzdem nicht, weil irgendein „Wurm im Inneren” doch weiter bohrt und man das Gefühl der „Sinnlosigkeit” allen Tuns einfach nicht los wird.

Oh, könnte ich doch etwas wirklich wissen! Oh, könnte ich wenigstens glauben! Hat da jemand gesagt: Wir können wissen? Wir wissen doch nun wirklich, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Wir wissen, wie wir das Atom spalten können. Wir wissen, dass der Mond ein totes Stück Gestein ist. Wir wissen, daß eine Maschine niemals fliegen kann, oder doch?

Aber was ist mit denen, die sagen: Der Mensch ist eigentlich ein unsterbliches, geistiges Geschöpf. Farben sind geistige Entitäten, denen ich, ebenfalls eine geistige, unreduzierbare Entität, gegenübertrete, und nicht (nur) eine reflektierte Wellenlänge, die mathematisch beschrieben und physikalisch gemessen werden kann.

Was ist mit denen, die sagen: Hinter alledem steht ein Schöpfer mit einem Plan. Wir seien Ausdruck seiner Schöpferkraft, nach seinem Bilde geschaffen, ebenfalls mit der Fähigkeit, Welten zu schaffen, ausgestattet. Und es gäbe diese „Welt” nur aus einem Grunde: Den Menschen stufenweise zu seiner Bestimmung, seinem Ausgangspunkt (wer oder was Namenloses dies auch sei), zurückzuführen. Ja noch weiter, die physikalische Welt sei nur aus diesem Grunde vorhanden und im Grunde nichts weiter als formierter Geist – die Welt sei Geist-In-Formation.

Wie leicht ist es, diese als irrationale Schwärmer hinzustellen, und sich des Applauses der wissenschaftlichen Experten sicher zu sein. Denn welche „Argumente” könnte man bieten?

Solange die Frage nach dem menschlichen Bewusstsein nicht für jeden Menschen geklärt ist, solange nicht klar ist ob der Mensch ein Fleischklumpen (obwohl auch dies schon ein „Wunder” wäre), ein „Gott” oder geschaffener Geist ist, solange kann ich unbeirrbar meine Fragen stellen.

Allein diese Fähigkeit und die humorvolle Feststellung, dass auch die grössten „Wissenschaftler” im Angesicht ihres Todes die Frage, was mit ihnen wird, gestellt haben, geben mir alle Rechtfertigungen der Welt, weiterhin zu fragen in der Hoffnung, einmal die „richtige” Frage zu stellen. Mein Argument ist einfach:

Ihr (Wissenschaftler) wisst nicht, warum „es” fragt, und wer hier fragt, schon gar nicht.

Und solange ihr dies nicht wisst, wisst ihr im Grunde nichts.

> Leben ist sich erneuern

initiative vernunft Beitrag Nr. 21
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> Leben ist sich erneuern
Sonja-G


Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt,
sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes,
dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist:
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Röm. 12.2


W ir feiern diesen Gottesdienst als Fest des Lebens.

Gott führt uns aus der Ruhe in die Bewegung,

Jesus führt uns aus der Enge in die Weite,

Gottes Geist führt uns aus der Ohnmacht in die Freiheit.


Guter Gott

Du rufst uns zu dir,
damit wir vor dir ablegen können, was unser Leben schwer macht.

Du siehst uns,
mit unseren Lasten und willst uns helfen, sie alle zu tragen.

Wir bitten dich: Lass zur Ruhe kommen,
was uns innerlich umtreibt und vielleicht sogar plagt.

Hilf uns, neues zu denken und zu hören –
und unsere Wege, die inneren und äusseren, klar vor uns zu sehen.

Amen.




Lesung: Ernesto Cardenal
Das Buch von der Liebe, Sucht, S. 53 ff., Auszüge

Alle Menschen werden mit einem verwundeten Herzen und einem unstillbaren Durst geboren. »Wie dürres Land lechzt meine Seele Dir entgegen« (Psalm 142). Der Vorgang des Essens und Trinken wurde vom Schöpfer als materielles Symbol dieses Hungers und Durstes nach Gott eingesetzt.

Dieser Durst nach Gott widerspiegelt sich als innere Unruhe auf den Gesichtern aller Menschen, die die Strassen, die Läden, die Kinos und Bars bevölkern. Alle Welt trägt einen Wunsch mit sich, viele Wünsche, eine Unendlichkeit von Wünschen: noch ein Gläschen, noch ein Stück Kuchen, noch ein Blick, noch ein Wort, noch ein Kuss, noch ein Buch, noch eine Reise. Mehr und immer mehr. Alle Gesichter verwundet von Unruhe und Wünschen. ...

Der Mensch denkt immer, mit ein wenig mehr hätte er schon genug, aber immer wünscht er dann doch noch mehr und mehr. Er denkt, mit einem Häuschen, einem Wagen, einem verständnisvollen Ehepartner und gutgeratenen Kindern wäre er zufrieden, aber dann geht er doch immer wieder mit der gleichen Unruhe aus dem Haus. Er sucht immer neue Dinge mit immer gleicher Sucht. Mit immer gleicher Gier kauft er seine Zeitung, die er dann fortwirft, und immer wird er gleich unbefriedigt bleiben. Es ist wie eine Krankheit, die ihn zwingt, immer mehr und mehr zu essen, ohne dass er jemals satt würde.

Platon hat einmal gesagt, der Mensch sei wie ein zerbrochenes Gefäss, das sich nie füllen lässt. die Sinne mögen sich an Genüssen überessen. die Seele bleibt doch immer unbefriedigt. Die irdischen Freuden bleiben an der Peripherie des Körperlichen und dringen nicht bis zur Seele vor. Sie verschlimmern höchstens ihren Durst, weil sie fühlt, dass der Kelch der Freude nicht einmal bis an ihre Lippen gelangt ist.
Es ist, als ob wir uns mit einer Nahrung sattessen wollten, die nichts hergibt oder uns mit einem Wein betrinken, der nicht trunken macht. Die Nahrung füllt uns zwar, aber unser innerster Hunger wird nicht gestillt, sondern eher angefacht. Wir können überdrüssig werden, aber niemals satt.

Und so, wie wir uns von der Tiefe eines Brunnens überzeugen, wenn wir einen Stein hineinwerfen und seinen Aufprall nicht mehr hören, so können wir uns von der Tiefe unserer Seele überzeugen, wenn die Dinge in sie hineinfallen und einfach verschwinden, ohne dass ein Echo nachklingt, ohne dass wir sie fallen hören.

Weil Gott auf dem Grund jeder Seele wohnt, ist die Seele unendlich und kann mit nichts gefüllt werden als mit Gott.

In den Klöstern sieht man Männer, die zufrieden und erfüllt ihres Weges gehen, lächelnd und ohne eine Sorgenfalte auf ihrer Stirn. ...

Und genauso gehen die Tiere durch ihren Tag, nie unruhig und beklommen, sondern ruhig und erfüllt wie die Mönche.

Die Menschen sind mit den Dingen dieser Erde nie zufrieden, weil sie nicht für sie geschaffen wurden. Die Tiere befriedigen ihre Notdurft und brauchen nicht mehr.

Sie spüren keinen Durst nach Unendlichkeit in sich, und diese Erde ist ihr Himmel. Darum sind die Tiere nie von ihrem Leben enttäuscht und begehen nie Selbstmord, weil sie für diese Schöpfung erschaffen wurden. (Und alle Tiere sind auch Heilige, mit ihrer tierhaften Heiligkeit, sie sind keusch und arm und gehorsam wie die Mönche, und sie sind demütig.)

Unser Sein aber ist entworfen worden, um Gott zu lieben, um Ihn zu besitzen und Ihn zu geniessen, wie die Makrele entworfen wurde zum Schwimmen und die Möwe zum Fliegen.

Und so wie das Telefon erfunden wurde, um damit zu telefonieren und nicht zu irgendeinem anderen Zweck, so ist der Mensch auch nicht zum Geniessen dieser Erde, sondern zum Geniessen Gottes erschaffen. Und darum sind wir nur mit Gott glücklich. Obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie Zugvögel, die an einem fremden Ort geboren, doch eine geheimnisvolle Unruhe empfinden, wenn der Winter naht, einen Ruf des Blutes, eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, die sie nie gesehen haben und zu der sie aufbrechen, ohne zu wissen, wohin. Sie haben den Ruf des Gelobten Landes vernommen, die Stimme des Geliebten, der ruft: »Auf, meine Freundin! Du meine Schöne, komm! Vorüber ist die Winterzeit, der Regen ist vorbei« (Hohes Lied 2, 10).


Predigt zum Thema: Veränderungen


Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt,
sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes,
dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist:
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
Röm. 12.2

Pantha rhei - alles fliesst. Das einzige was bleibt, ist die Veränderung.

Liebe oder hassen Sie Veränderungen? Wir leben als solche, die sich ständig verändern – und die Welt um uns herum ändert sich ständig. Wie ist das bei Ihnen? Lieben Sie Veränderungen oder fürchten sie diese? Ist Ihnen am wohlsten, wenn alles scheinbar gleich bleibt? Als Kind lebte ich nahe an einem Weiher. Mir gefiel dieses ruhige, kleine Gewässer sehr, und ich ging oft dort spazieren. – Als ich nach Bremgarten zog, dauerte es nicht lange, bis ich mich an ein anderes Gewässer gewöhnt hatte: Die Reuss, die nie in Ruhe ist, sondern ständig weiterfliesst. Das Wasser, das kommt und vorbeizieht, niemals steht der Fluss still. Ständig verändert er sich, sein Wesen ist die Bewegung. – Die ganze Schöpfung ändert und erneuert sich ja ständig. Auch die uralten Berge ändern ihr Aussehen – nur dauert es einige Tausend Jahre, bis man die Bewegungen der Gesteinsschichten und Kontinente erkennen kann. –

Leben heisst, sich wandeln. – Stillstand kündigt oft den Tod an.

Es gibt äussere Veränderungen, die wir herbeisehnen. Wenn ich mich an meinem Wohnort unglücklich fühle, dann würde ich vielleicht lieber heute als morgen umziehen. – Oder wenn ich einen unangenehmen Mitarbeiter oder Chef habe, dann sehne ich mich vielleicht danach, die Stelle zu wechseln. Ich kenne auch Menschen, denen es hier in der Schweiz zu klein ist. Sie wandern aus, suchen eine wirkliche Veränderung ihres Lebens in New York oder in der Dritten Welt. –

Äussere Veränderungen können viel bewirken. Wir brauchen immer wieder Impulse von aussen - durch neue Bekanntschaften, neue Aufgaben im Leben, um daran zu wachsen und uns zu verändern. – Aber bringen uns äussere Veränderungen automatisch weiter? Ich beobachte heute eine Mobilität, die rein äusserlich bleibt. Vielleicht hält es jemand daheim, mit sich und seinen Nächsten fast nicht aus. Er sitzt jedes Wochenende ins Auto und fährt an schöne Orte in der Schweiz. – Äusserlich ist er viel unterwegs. Aber es kann sein, dass er sich selber in jeder Stadt als der alte wiederfindet. Dass er immer dieselben Gedanken und Gefühle in sich spürt und keine neue Bewegung in seine Seele kommt. Die äusseren Veränderungen im Leben sind oft interessant. Ich finde es äusserst wichtig, dass Menschen in ihrem Leben neues wagen, dass wir die äussere Welt entdecken, uns räumlich bewegen. – Aber das kann noch nicht alles sein. Das ist keine Garantie für innere Veränderungen, für einen inneren Reifungsprozess. – Wir reifen zwar nur an konkreten Aufgaben, in konkreten Beziehungen, durch neue Erfahrungen – aber sie sind noch keine Garantie dafür, dass wir innerlich lebendig sind und uns entwickeln. Vielleicht tragen wir starre Schemen in uns – und alles, was wir erleben, ordnen wir in dieses Schema ein. So kann es kommen, dass zwar äusserlich viel geschieht, in unserm Fühlen und Denken aber alles beim Alten bleibt. – Paulus mahnt uns deshalb: Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Röm. 12.2. – Wenn wir bereit sind, neues aufzunehmen, unsere Denkgewohnheiten kritisch zu prüfen, dann werden wir lebendig bleiben, bis ins hohe Alter.

Jesus hat seine Zeitgenossen provoziert – um sie aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensschemen zu befreien. Um in ihnen etwas in Bewegung zu bringen. – Er wollte den Menschen innere Lebendigkeit und Wachstum ermöglichen. Manchmal musste er scharf mit Menschen reden, die sich in ihrer Gesetzlichkeit gegen jede lebendige Änderung verschlossen hatten. – So hat er die Pharisäer scharf zurechtgewiesen, die von andern verlangt haben, sich an kleinliche Gesetze zu halten – sich aber nicht für ihre Mitmenschen einsetzten. „Ihr siebt Mücken – und verschluckt Kamele” – hat er zu ihnen gesagt. – Sie sollten lernen, wichtiges von unwichtigem im Leben zu unterscheiden. – Jesus ist Menschen begegnet – und hat nachhaltige Veränderungen bei ihnen bewirkt. Sie kennen wahrscheinlich die Geschichte von Zachäus, dem Oberzöllner. Jesus ist in sein Haus gekommen – und da wurde ihm klar, dass es schlecht war, seine Mitmenschen auszubeuten. Er hat beschlossen, ihnen das Geld, das er zu viel verlangte, zurückzugeben. Seine ganze Lebenseinstellung hat sich durch die Begegnung mit Jesus verändert. –

Bewegung ist Leben. Äussere, aber vor allem innere Veränderungen.

Ich nehme an, dass auch Sie Zeiten in ihrem Leben kennen, von denen sie froh sind, dass sie vorüber sind. Arbeiten, Umgebungen, Menschen, mit denen Sie sich nicht nochmals auseinandersetzen wollten. Eine 93 jährige Frau hat mir erzählt: „Ich möchte keinen Tag zurück gehen. Vorwärts, nur vorwärts. Ich möchte mein Leben nicht nochmals leben. Ich verändere mich nach vorne.” – Es war durchaus eine Frau, die sehr bewusst lebt und ihr Leben schätzt. Sie kann im Altersheim sogar noch andere trösten und hat immer wieder sehr weise über das Leben gesprochen. – Und diese Frau hat sich so in den Fluss der Veränderung gegeben, dass sie nur nach vorwärts gehen will. – Wir können ja auch gar nicht anders. Vielleicht ist es eine Gnade, wenn man sich im Alter nicht ständig in der Vergangenheit aufhalten muss. Wenn man im hier und heute leben kann – und nicht in all den schmerzlichen und schönen Erinnerungen. –

Wahrscheinlich gibt es »Highlights«, schöne Erlebnisse in ihrem Leben, die sie festhalten möchten. Heitere und anregende Begegnungen mit Menschen. – Es erfüllt manchmal mit Wehmut, wenn solche Augenblicke und Beziehungen nicht mehr sind. – Die Beziehungen, die uns ganz wichtig sind - auch sie vergehen. Die geliebten Menschen – auch sie müssen wir einmal loslassen. – Da kann der Gedanke aufkommen: Was ist der Sinn von alledem? Aus meiner Sicht lässt sich unsere Vergänglichkeit nur aushalten, weil sie im Ewigen gehalten ist. – Weil es eine Realität gibt, jenseits von Raum und Zeit, in die hinein wir Menschen auch gehören. Die Sinnfrage kann aus meiner Sicht nur vom Ewigen her beantwortet werden. Wenn ich mich als Mensch geborgen weiss in Gott und von ihm gehalten, dann kann ich das Vorbeirauschen der Zeit und meine eigene Vergänglichkeit vielleicht besser ertragen.

Wo liegt der Sinn für mein Leben in dieser vergänglichen Welt? Mir scheint, er liegt darin, dass ich als Mensch dazulerne. Ich reife an all den Erfahrungen, die ich in meinen Wochen und Jahren mache. Wenn das, was ich äusserlich erlebe, mich wirklich erreicht und bewegt, dann habe ich neue Fähigkeiten und Einsichten gewonnen. Dann bin ich mit neuen Bildern und Erkenntnissen über das Leben bereichert worden. – So führt die Vergänglichkeit dazu, dass auch ich mich entwickle, wandle, reife. – Ein schönes Sprichwort sagt: Keiner steigt zwei mal als derselbe in denselben Fluss. – Sobald ich neues erkannt habe, begegne ich dem vertrauten Alltag anders. – Ich wünsche Ihnen den Mut, das Alte immer wieder neu zu bedenken – und sich zu verändern, wo es nötig und dem Leben dienlich ist.

Amen.

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